Bahn-Totalstillstand in Deutschland: Funkausfall legt Verkehr lahm
Bahn-Totalstillstand: Funkausfall legt Verkehr lahm

Wegen eines schwerwiegenden Funkausfalls im digitalen Bahnfunk GSMR stand der gesamte Bahnverkehr in Deutschland in der Nacht auf Mittwoch ab 23 Uhr komplett still. Züge im Fern- und Regionalverkehr wurden bundesweit an Bahnhöfen zurückgehalten, Tausende Reisende saßen fest. Erst gegen 1 Uhr nachts rollte der Verkehr langsam wieder an.

Chaos in Augsburg: Kein Hotel, kein Mietwagen, kein Taxi

BILD-Reporter Hartmut Wagner steckte seit 23 Uhr am Augsburger Hauptbahnhof fest. Sein Ziel war Salzburg in Österreich. „Aber nix fährt mehr. Es gibt auch kein Hotel in ganz Augsburg. Mietwagen gibt es ab morgen früh erst wieder“, berichtete er. Taxigutscheine wurden verteilt, doch die Taxistände waren völlig überfüllt. Dutzende Fahrgäste wedelten mit ihren Gutscheinen, doch ein Taxifahrer lehnte ab: „Salzburg? Nä, viel zu müde.“

Hamburg: Lehrerin mit 13 Schülern gestrandet

Am Hamburger Hauptbahnhof machten es sich Reisende auf Campingsitzen bequem. Ute M. (54), Lehrerin am Bernhard-Riemann-Gymnasium im Landkreis Lüneburg, war mit 13 Schülern von einer Aufführung im Schauspielhaus Hamburg zurückgekehrt. Um kurz vor Mitternacht stand die Gruppe auf Gleis 12 und wollte nach Lüneburg. „Jetzt kommen die Eltern mit Autos aus der 50 Kilometer entfernten Stadt und holen ihre Kinder ab“, sagte sie zu BILD.

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Gelsenkirchen: Helene-Fischer-Fans nach Konzert gestrandet

Am Dienstagabend spielte Schlagerstar Helene Fischer (41) vor Zehntausenden Fans ein Open Air in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Nach dem Konzert um Mitternacht ging nichts mehr bei S-Bahn und Bahn. Etwa 3000 Menschen waren gestrandet. Die Polizei sperrte die Zugänge zu den Bahnsteigen, auch Aufzüge waren blockiert. Restaurants und Läden blieben länger geöffnet, damit sich die Reisenden versorgen konnten. Die Helene-Fischer-Fans Mareike, Greta und Franziska (alle 24) aus Werl berichteten: „Als wir hier am Hauptbahnhof ankamen, haben wir schon auf der App gesehen, dass kein Zug fährt. Dann kam eine Durchsage der Polizei. Wir haben jetzt versucht, jemanden zu erreichen, der uns abholen kann. Das ist unser erstes Helene-Fischer-Konzert und dann sowas.“

Erfurt: Indische Studenten gelassen

In Erfurt strandete die indische Studentin Mansi Giri (26) mit ihren Kommilitonen Devya Thakran (26) und Jash Shah (25). Sie studieren an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und hatten einen Tag in Erfurt verbracht. „Wir hatten schon im Zug nach Weimar und Jena Platz genommen. Plötzlich mussten wir alle aussteigen, weil nichts mehr ging“, sagte Giri zu BILD. „Wir sind Verspätungen aus Indien gewöhnt. Klar, das ist nicht schön, aber wir sehen das sehr gelassen. Aufgeregt hat uns nur, dass es um Mitternacht keinen Bus mehr in die Richtung gab. Und ein Taxi können wir uns als Studenten nicht leisten.“

Hamm: Reisende warten stundenlang

Larissa L. (33, Industriekauffrau) strandete in Hamm. Sie war von Düsseldorf nach Bielefeld unterwegs und sagte um 0.22 Uhr: „Ich warte seit zweieinhalb Stunden hier. Ich war gerade lange im Urlaub, auf einer Insel westlich von Australien. Da waren alle Leute völlig gelassen, da gab es nicht mal einen Busfahrplan, man stand einfach und wartete.“ Sie kritisierte: „Es wäre nett, wenn man uns Reisenden irgendwelche Angebote gemacht hätte, ein Taxi, Busse, wir können ja nicht hier einfach auf der Straße schlafen.“

Entwarnung: Verkehr rollt wieder an

Um kurz vor 1 Uhr nachts gab es Entwarnung. In Augsburg rief ein Mann aus dem Hauptbahnhof: „Der Zug nach Stuttgart fährt gleich los!“ Daraufhin rannten fast alle der 50 wartenden Menschen vor dem Taxistand zurück zum Bahnhof. Der ICE nach Stuttgart, der seit mindestens 23 Uhr regungslos auf Gleis 1 stand, fuhr um kurz nach 0.30 Uhr ab. Wenig später lief der Verkehr im ganzen Land wieder an.

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