Bahn-Chaos in Berlin: Totalausfall legt Zugverkehr lahm
Bahn-Chaos in Berlin: Totalausfall legt Zugverkehr lahm

Ein vollständiger Ausfall des digitalen Zugfunks hat am späten Dienstagabend den gesamten Zugverkehr in Berlin und bundesweit zum Erliegen gebracht. Mehr als zwei Stunden lang fuhr kein Zug – S-Bahnen, Regionalbahnen und der Flughafenexpress FEX waren betroffen. Erst gegen 0:30 Uhr rollte die S-Bahn wieder an, doch es kam weiterhin zu Ausfällen und Verspätungen.

Chaos am Flughafen BER

Besonders hart traf es den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld. Normalerweise verbinden S-Bahn, Regionalbahnen und der FEX den Flughafen mit der Hauptstadt. Nach dem Ausfall waren die Reisenden auf Busse und Taxis angewiesen. Gegen 23 Uhr versuchten etwa 200 Passagiere, in die wenigen Busse zu steigen, die in Richtung Berlin fuhren. Viele fanden keinen Platz. Ein Busfahrer der Linie X71 sagte per Lautsprecher: „I can’t take all of you. Ich komme zurück, versprochen. Wir geben unser Bestes.“

Mehr als zwei Dutzend Flugzeuge landeten nach 22 Uhr noch am BER, unter anderem aus Mallorca, London, Nizza und Neapel. Touristen waren ratlos. Ein Paar aus Dresden meinte: „Typisch Deutschland.“ Eine Gruppe junger Briten zeigte sich verzweifelt: „Das versteht man überhaupt nicht, welchen Bus man jetzt nehmen muss und warum es keine Ansagen oder Hilfe gibt.“ Eine Deutsche erklärte ausländischen Besuchern: „Die Bahn bei uns ist immer kaputt.“ Zwei Italiener antworteten: „Immer Chaos.“

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Gestrandete an Bahnhöfen

In ganz Berlin strandeten Menschen an den Bahnhöfen. Am Hauptbahnhof bot das Personal an, in die stehenden Züge zu kommen, um Toiletten zu nutzen. Vor den Infoschaltern bildeten sich lange Schlangen. Am Bahnhof Zoo suchten Menschen nach Bussen, freie Taxis waren kaum zu bekommen. Die S-Bahn empfahl, alternativ U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen der BVG zu nutzen.

Peter Bonasewicz, ein 77-Jähriger aus Steglitz, stand am Anhalter Bahnhof und wartete auf die S1. Er war in der Stadt verabredet und seit etwa 22:30 Uhr in der Zwischenetage des Bahnhofs. „Es gibt nur die Durchsage, dass der S-Bahn-Verkehr eingestellt ist. Ansonsten ist hier niemand vor Ort, der die Menschen informiert“, sagte er. Nach einer Dreiviertelstunde wollte er versuchen, einen Bus zu finden. „Naja, Hauptsache, es regnet nicht.“

Lange Wege für Pendler

Leonardo Plachetta, 19 Jahre alt, stand eine Viertelstunde vor Mitternacht am Anhalter Bahnhof und studierte den Liniennetzplan. Er war nach der Arbeit mit Kollegen zusammengesessen und überlegte, wie er nach Blankenfelde kommt, der Endstation der S2 südlich von Berlin. „Es gibt nicht mal eine U-Bahn, die mich halbwegs in die Nähe bringen würde.“ Sein Handyakku war leer, ein Taxi konnte er nicht rufen. Auch am Taxistand standen keine Wagen mehr.

Neben ihm stand Flavio, 39 Jahre alt, der nur seinen Vornamen nennen wollte. Er musste zur Osdorfer Straße in Lichterfelde, eigentlich die Linien S25 oder S26. „Ich könnte jetzt zur Möckernbrücke laufen, dann zum Halleschen Tor, dann nach Tempelhof, dann zum Südkreuz – ach ne, geht ja nicht, der letzte Abschnitt wäre wieder S-Bahn.“ Auch diese Idee endete in einer Sackgasse.

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