Die Mutter von Stellantis-Aufsichtsratschef John Elkann, Margherita Agnelli, hat beim Turiner Gericht beantragt, in einem laufenden Steuerstrafverfahren gegen ihren Sohn als Zivilpartei zugelassen zu werden. Die 70-Jährige verlangt Schadensersatz wegen eines angeblich moralischen Schadens und Rufschädigung. Dieser Schritt verlängert das Strafverfahren gegen Elkann, der einer der bekanntesten Industriedynastien Europas vorsteht.
Hintergrund des Steuerstreits
John Elkann und seine Geschwister zahlten im vergangenen Jahr 183 Millionen Euro an die italienische Steuerbehörde, um eine Steuerermittlung wegen angeblich nicht deklarierter Vermögenswerte aus dem Erbe ihrer Großmutter Marella Caracciolo beizulegen. Im Dezember 2025 ordnete der zuständige Richter jedoch an, den Fall weiterzuverfolgen. Die Staatsanwaltschaft wirft Elkann betrügerische Steuererklärung und Betrug zum Nachteil des italienischen Staates vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Marella Caracciolo, die Witwe von Gianni Agnelli, vor ihrem Tod 2019 tatsächlich in Italien und nicht in der Schweiz ansässig war.
Langjährige Rechtsstreitigkeiten zwischen Mutter und Sohn
Der Antrag von Margherita Agnelli reiht sich in eine lange Serie von Rechtsstreitigkeiten zwischen Mutter und Sohn ein. Ihre Anwälte stellen den Steuerfall als Teil eines umfassenderen Schemas dar, das sie persönlich geschädigt habe. Sie sei vom Erbe ihrer Eltern ausgeschlossen worden, und die Eigentümerstruktur der Familien-Holding Dicembre sei bedroht. Elkanns Anwälte wiesen diese Darstellung zurück: „Agnelli ist nicht vom Erbe ausgeschlossen worden. Sie hat die Familiengruppe 2004 auf Basis von Vergleichen verlassen, die sie selbst angestrebt hat.“
Dicembre steht an der Spitze der Beteiligungsstruktur der Familie Agnelli und bildet den Kern des Rechtsstreits. Über die Holding hält die Dynastie Anteile an Unternehmen wie Ferrari, dem Fiat- und Jeep-Eigentümer Stellantis sowie an dem Fußballclub Juventus Turin. Margherita Agnellis Anwälte erklären, das weitergehende Verfahren könnte letztlich die Kontrolle über Dicembre berühren. Elkanns Anwälte weisen dies entschieden zurück: „Die Eigentümerstruktur von Dicembre ist seit Langem geklärt und kann nicht mehr verändert werden.“
Ausblick auf das Verfahren
Die Staatsanwaltschaft strebt eine Anklage gegen Elkann an, der zugleich Aufsichtsratschef von Ferrari und Vorstandschef der Holdinggesellschaft Exor ist. Eine Entscheidung über die Zulassung von Margherita Agnelli als Zivilpartei und über die Anklage wird bei einer späteren Anhörung erwartet. Der Fall hat das Potenzial, die Kontrolle über das milliardenschwere Familienimperium zu beeinflussen.



