Die erste Kinderschutzambulanz Brandenburgs in Potsdam hat in den ersten Monaten ihrer Arbeit eine positive Bilanz gezogen. Seit Jahresbeginn wurden 64 bestätigte Fälle von Kindeswohlgefährdung in der Kinder- und Jugendklinik dokumentiert, davon 31 Kinder über die neue Ambulanz begutachtet. Die Einrichtung am Klinikum Ernst von Bergmann bietet einen geschützten Raum mit Spielzeug, Büchern und einem Puppenhaus, um betroffenen Kindern die Untersuchung zu erleichtern.
Etablierte Strukturen für medizinische Bewertung
„Wir haben nun etablierte Strukturen, auf die wir zur medizinischen Bewertung von Kindeswohlgefährdung zurückgreifen können“, sagte Chefärztin Petra Degenhardt von der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Die Ambulanz nahm Anfang 2026 ihre Arbeit auf, die offizielle Eröffnung erfolgte am 15. April in Anwesenheit von Gesundheitsminister René Wilke (SPD) und Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU).
„Von den niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten wissen wir, dass auch sie glücklich über die Einrichtung unserer Kinderschutzambulanz sind“, so Degenhardt weiter. „Sie würden es aber begrüßen, direkt an die Kinderschutzambulanz überweisen zu können, also ohne den Umweg über das Jugendamt nehmen zu müssen.“ Derzeit erfolgt die Zuweisung der Kinder ausschließlich über das Jugendamt, etwa nach Hinweisen aus Kitas, Schulen oder von Kinderärzten.
Weitere Standorte in Brandenburg geplant
Neben Potsdam gibt es zwei weitere Kinderschutzambulanzen in Brandenburg: Seit Anfang April arbeitet in Eberswalde (Landkreis Barnim) eine Ambulanz am GLG Werner Forßmann Klinikum. Die Einrichtung in Lauchhammer (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) öffnete am 1. Juni. Bis Ende Juni soll laut Gesundheitsministerium Frankfurt (Oder) folgen. Cottbus plant die Eröffnung bis Jahresende. Auch in Neuruppin ist eine Kinderschutzambulanz vorgesehen, der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest.
Die Kinderschutzambulanz in Potsdam hat sich als zentrale Anlaufstelle für medizinische Abklärungen bei Verdacht auf Kindesmisshandlung etabliert. Die positive Bilanz unterstreicht den Bedarf an solchen spezialisierten Einrichtungen in Brandenburg.



