Das Chaos beim TSV 1860 München erreicht einen neuen Höhepunkt. Wie BILD erfuhr, läuft am Dienstag um 18 Uhr eine entscheidende Frist ab. Bis dahin müssen sich die beiden Gesellschafter über die Zukunft der ausgegliederten Fußball-KGaA einigen – andernfalls wird beim Amtsgericht München der Insolvenzantrag eingereicht.
Für den Fortbestand der Fußballfirma werden nach BILD-Informationen rund 7,5 Millionen Euro benötigt. Sollte dieses Geld nicht bis zur Deadline eingehen, ist die Gesellschaft nicht mehr liquide und die Insolvenz unvermeidlich. Was bedeutet das für den Verein und seine Fans?
Was passiert bei einer Insolvenz?
Das Amtsgericht bestellt in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Antragstellung einen Insolvenzverwalter. Ab diesem Zeitpunkt liegt die Kontrolle über die Gesellschaft in dessen Händen. Seine oberste Priorität ist es, das Unternehmen am Leben zu erhalten. Der Verwalter führt eine Bestandsaufnahme durch und prüft, welche Forderungen gegen die KGaA bestehen. Dazu zählen unter anderem die 8000 verkauften Dauerkarten im Wert von rund 4 Millionen Euro sowie eine offene Ablösesumme für einen norwegischen Verein.
Im Winter 2017 verpflichtete 1860 München, damals noch Zweitligist, den dänischen Stürmer Christian Gytkjaer von Rosenborg Trondheim. Die Ablösesumme von rund 2,25 Millionen Euro wurde jedoch nie vollständig gezahlt, da die Löwen am Saisonende abstiegen. Gytkjaer, der durch ein Nacktfoto bekannt wurde und in 18 Spielen zwei Tore sowie ein Eigentor erzielte, wechselte später zum SSC Bari.
Vier Szenarien im Insolvenzfall
Szenario 1: Einigung mit Ismaik
Der Insolvenzverwalter könnte Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik kontaktieren und ihn fragen, ob er bereit ist, die KGaA durch eine Geldeinlage zu stützen. Ismaik hat seine Bereitschaft dazu signalisiert, jedoch unter bestimmten Bedingungen, die der Verein bisher abgelehnt hat. Der Insolvenzverwalter könnte über diese Bedingungen entscheiden und prüfen, ob sie verbandskonform sind. Im Sinne der Sanierung hat der Verwalter Sonderrechte und kann sich über Zustimmungspflichten hinwegsetzen. Bei einer Einigung könnte der Verwalter den e.V. anweisen, der KGaA das Spielrecht zu übertragen. Die KGaA wäre gerettet und könnte in der 4. Liga gemeinsam mit Ismaik antreten.
Szenario 2: Verein zahlt
Der Insolvenzverwalter könnte das Geld vom e.V. einfordern. Am Wochenende hatte der e.V. Ismaik ein Angebot über 5 Millionen Euro für dessen Anteile unterbreitet. Dieses Geld könnte zur Rettung der KGaA verwendet werden. Allerdings würde sich an der Anteilsverteilung nichts ändern, und es fehlten weiterhin rund 2,5 Millionen Euro.
Szenario 3: Investorensuche
Der Insolvenzverwalter könnte neue Investoren suchen und die Gesellschafter dazu bewegen, ihre Anteile zur Verfügung zu stellen. Ein Beispiel ist Borussia Dortmund, wo der Verein nur noch 5,9 Prozent der Anteile hält, aber durch die 50+1-Regel die Stimmmehrheit behält: 49 Prozent bei Investoren, 51 Prozent beim Verein.
Szenario 4: Liquidation
Scheitert die Sanierung vollständig, wird die KGaA liquidiert. Die Angestellten erhalten drei Monate Insolvenzgeld, die Gläubiger werden bedient. Die Millionen der Dauerkartenbesitzer fallen in die Insolvenzmasse; sie bekämen voraussichtlich nur einen Bruchteil ihres Geldes zurück.
Von einem geregelten Fußballbetrieb ist bei 1860 München derzeit keine Rede. Unklar ist zudem, ob Ismaik rechtlich gegen die Gründung einer neuen Fußballgesellschaft vorgehen wird, für die der Verein am Sonntag auf der Mitgliederversammlung eine Dreiviertelmehrheit erhalten hat. Der Vorwurf lautet auf böswilliges Handeln.



