Emmy-Preisträger sagt gegen syrischen Folterknecht in Koblenz aus
Emmy-Preisträger gegen Folterknecht in Koblenz

Der syrische Dokumentarfilmer und Emmy-Gewinner Feras Fayyad (41) hat am Montag vor dem Oberlandesgericht Koblenz gegen seinen mutmaßlichen Peiniger ausgesagt. Der ehemalige Geheimdienstoffizier Fahad A. (48) soll Dutzende Menschen zu Tode gequält haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mord in 70 Fällen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

„Ich zittere am ganzen Körper“

„Ich zittere am ganzen Körper. Bei jedem Geräusch, das sich wie das Durchladen eines Gewehrs anhört, ist mein Blut wie eingefroren“, sagte der Regisseur vor Gericht. Fayyad war 2011 wegen der Filmaufnahmen von Protesten gegen Ex-Diktator Baschar al-Assad verhaftet und ins unterirdische Al-Khatib-Gefängnis in Damaskus gebracht worden. Zunächst kam er in eine Sammelzelle mit rund 150 weiteren Regimegegnern, später in eine Einzelzelle, „die kleiner war als ein Grab“.

Der Angeklagte Fahad A., der bis zu seiner Verhaftung als Kriegsflüchtling in Pirmasens lebte, soll Fayyad zu Folterungen abgeholt und dabei brutal geschlagen haben. „Er sah zuerst durch die Luke in der Zellentür. Seine Augen werde ich nie vergessen“, so der Filmemacher. Auch das große Muttermal im Gesicht des Folterknechts sei ihm in Erinnerung geblieben. Als der Angeklagte den Saal betrat, machte er ein Victory-Zeichen.

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„Du kommst hier nicht lebend raus“

Nachdem ihm die Augen verbunden worden waren, brachte man ihn in einen nahegelegenen Raum. „Ich wurde mit gefesselten Händen an der Decke aufgehängt und mit Kabeln und Stangen geschlagen. Ich dachte, mein Körper explodiert. Ich war irgendwann bewusstlos“, berichtete Fayyad. Assads Schergen hätten gedroht: „Du kommst hier nicht lebend raus.“

Am schlimmsten seien die Todesschreie von Mitgefangenen und Scheinhinrichtungen gewesen. Er sei auch mehrfach vergewaltigt worden. Als er aus der Bewusstlosigkeit aufwachte, „wusste ich nicht, ob ich tot bin oder noch lebe“.

Polizistin bestätigt Identifizierung

Eine Polizistin (26) bestätigte vor Gericht, dass Fayyad bei der Durchsicht von Fotos mutmaßlicher Kriegsverbrecher gesagt habe: „Er sagte, dass er sich am besten an die Person auf Bild 3 in der ersten Reihe erinnern könne, das den Angeklagten zeigt.“ Einen Namen wisse er nicht, da die Folterknechte einander nie mit Namen angesprochen hätten. Der Angeklagte, der bisher schweigt, notierte die Aussage des wichtigsten Zeugen penibel mit.

Oscar-Nominierung und zwei Emmys

Fayyad wurde damals aus ungeklärten Gründen freigelassen. Unter großer Gefahr filmte er in einem geheimen Krankenhaus, in dem Ärzte trotz Bürgerkrieg und Terror um jedes Leben kämpften. Sein Dokumentarfilm „The Cave“ (2019) über eine Klinik im Untergrund wurde für den Oscar nominiert und 2020 mit zwei Emmy Awards ausgezeichnet – dem wichtigsten Fernsehpreis in den USA.

Der Dokumentarfilmer hatte bereits 2022 gegen einen leitenden Offizier des Gefängnisses ausgesagt, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Feras Fayyad lebt in Berlin. Seine Vernehmung wird am Dienstag fortgesetzt.

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