Die Lungentransplantation der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit hat die Debatte um die Organspende in Deutschland neu entfacht. Nach nur zwei Wochen auf der Warteliste erhielt die 52-Jährige ein neues Organ – dank der erweiterten Widerspruchslösung in Norwegen. Dort gilt jeder als Organspender, der zu Lebzeiten nicht widerspricht. In Deutschland hingegen gilt die Entscheidungslösung: Organe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person ausdrücklich zugestimmt hat. Der Fall der Kronprinzessin könnte nun Bewegung in die festgefahrene Diskussion bringen.
Organspende: Norwegens Modell als Vorbild?
Wie die Recherchen meiner Kollegin Aino Akay ergaben, profitierte Mette-Marit von der erweiterten Widerspruchslösung, die in Norwegen seit Jahren praktiziert wird. Vor der Operation hatte die Kronprinzessin kaum noch Luft. Ihre schnelle Versorgung mit einer neuen Lunge wirft Fragen auf: Warum dauert es in Deutschland so viel länger? Alina Juravel, Kollegin bei der Funke Mediengruppe, plädiert dafür, sich am norwegischen Modell zu orientieren. In der kommenden Woche ist die Organspende Thema im Bundestag. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte im Interview mit Julia Emmrich: „Wir sollten endlich mal vorankommen. Der Fall Mette-Marit kann uns dabei helfen.“
Arbeitsmarkt: Uni-Absolventen ohne Job
Während die Organspende-Debatte Fahrt aufnimmt, kämpfen viele Uni-Absolventen in Deutschland mit dem Berufseinstieg. Meine Kollegin Nina Kugler berichtet von zwei Betroffenen: Eine 39-jährige Frau, die nach 15 Jahren im Einzelhandel eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und ein BWL-Studium absolvierte, findet trotz Bachelor keinen Job und arbeitet wieder an der Supermarktkasse. Ein junger Wirtschaftsingenieur verlor seinen ersten Job nach dem Master durch Stellenabbau und erhielt auf 50 Bewerbungen hin keine Zusage. Die Zurückhaltung der Arbeitgeber, die auf erfahrene Kräfte setzen und Anfängeraufgaben zunehmend der KI überlassen, wird als Ursache genannt.
KI im Journalismus und in der Politik
Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) hat in der vergangenen Woche neue Höhepunkte erreicht. Ein renommierter Berliner Journalist wurde entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er seine Kommentare von KI schreiben ließ. Gleichzeitig nutzen Bundestagsabgeordnete KI für Reden – darunter Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) für eine Rede zum Holocaust-Gedenktag und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) für Beiträge und Reden. Ich persönlich traue KI nicht: ChatGPT machte mich 20 Jahre jünger und unterstellte einem meiner selbst geschriebenen Texte einen KI-Anteil von 64 Prozent. Auf meinen Hinweis entschuldigte sich das Tool und führte die Fehleinschätzung auf meine „richtig gesetzten langen Gedankenstriche, guten Übergänge und flüssige Sprache“ zurück. Junge Leute sind genervt, weil KI ihre Studienabschlüsse entwertet. In unserem Medienhaus gelten Richtlinien, die KI als Werkzeug erlauben, aber keine Generierung von Texten. Chefredakteur Peter Schink betont in einem Leitartikel: „KI ist ein gutes Werkzeug, aber niemals das Denken abnehmen darf.“
Außenminister Wadephul als Social-Media-Star
Außenminister Johann Wadephul (CDU) begeistert auf Instagram und TikTok mit unterhaltsamen Erklärungen zur Außenpolitik und entlarvt Putins Lügen. Fast 350.000 Follower folgen seinen Reiseberichten. Meine Kollegin Madeleine Janssen analysiert, wie der CDU-Politiker die sozialen Medien nutzt – im Gegensatz zu Kanzler Friedrich Merz, der steif wirkt, und Vorgänger Olaf Scholz, der mit peinlichen Reels um Aufmerksamkeit kämpfte. Die AfD, Linke und Grüne sind bereits aktiv auf diesen Plattformen; die Union holt nun auf.
Nato-Übung in Litauen: 3000 Soldaten proben den Ernstfall
In den litauischen Wäldern üben knapp 3000 Soldaten aus Deutschland und sieben weiteren Nato-Ländern den Ernstfall. Sie sind mit 800 Fahrzeugen, darunter dem modernsten Panzer der Bundeswehr, und 350 Drohnen ausgerüstet. Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ wird dauerhaft an der Nato-Ostflanke stationiert. Unsere Reporter Julian Würzer und Reto Klar waren bei der ersten Gefechtsübung dabei und berichten in einer Reportage.
Podcast-Tipp: „Amann Unframed“ mit Jette Nietzard
Melanie Amann, Chefredakteurin Digital, hat in ihrem Podcast „Amann Unframed“ die Grünen-Politikerin Jette Nietzard zu Gast. Nietzard wurde bekannt durch ihre Äußerung nach der Silvesternacht 2024/25: „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ Im Podcast verteidigt sie ihre kritische Haltung gegenüber Männern und betont: „Ich bin nicht in den Podcast gekommen, um Männer zu pleasen.“ Hören Sie rein und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.



