Einzelhandels-Chef: Berlin ist für Juden kein sicherer Hafen mehr
Berlin ist für Juden kein sicherer Hafen mehr

Einzelhandels-Chef: Berlin ist für Juden kein sicherer Hafen mehr

Berlins Einzelhandels-Chef Nils Busch-Petersen (63) schlägt Alarm: Der wachsende Judenhass in der Hauptstadt bereitet ihm große Sorgen. Als Chef des Handelsverbandes kümmert er sich normalerweise um die Nöte kleiner Händler und großer Kaufhäuser, hilft bei Mietverträgen und Investitionen. Doch ein Problem drängt sich in den Vordergrund – die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Juden in Berlin.

Seit 2021 gibt es bei „Partner für Berlin“ (zuständig für Wirtschaftsförderung) die Aktion „Berlin gegen Antisemitismus“. In dieser Initiative engagieren sich unter anderem Vivantes, KPM, die Sparkasse und die BSR, auch BILD ist dabei. Zu den engagiertesten Unterstützern zählt Busch-Petersen. Sein Grund: „Wenn die Intoleranten überhandnehmen, ist das eine gefährliche Entwicklung“, sagt er.

Importierter Antisemitismus und offener Hass

„Feinde des jüdischen Lebens hat es immer gegeben, jetzt tobt es sich offen aus“, so der Einzelhandels-Boss. „Nach dem 7. Oktober hat der Elefant Farbe angenommen, der die ganze Zeit im Raum stand.“ Die Politik habe ein Problem viel zu spät ernst genommen – den importierten Antisemitismus. „Wir haben viele Menschen aufgenommen, die damit groß geworden sind. Das wird nun auf unseren Straßen ausgelebt.“

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Busch-Petersen beklagt einen importierten Antisemitismus in der Hauptstadt. Besonders schockierend findet er den Judenhass im linken Lager. „Dort hat man nichts dagegen, wenn gemeinsame Feste mit Hamas-Unterstützern gefeiert werden“, sagt er. „Zusammen erzeugen sie ein Klima, das Sprengstoff für unsere Gesellschaft ist.“

Appell an die Stadt

Sein Appell an die Stadt: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass eine Bevölkerungsgruppe Angst hat, in Berlin zu leben.“ Viele Juden würden darüber nachdenken, auszuwandern. „Berlin ist für sie kein sicherer Hafen mehr. Das ist eine ganz bittere Entwicklung.“

Das Kaufhaus Hermann Tietz (später Hertie) am Alexanderplatz hatte jüdische Eigentümer. Busch-Petersen engagiert sich nicht nur gegen Judenhass, sondern auch für jüdische Kultur. 2011 rief er ein Festival für jüdische Liturgie und synagogale Chormusik ins Leben. Schon 2008 erreichte er die Umbenennung des Oberstufenzentrums (OSZ) Handel nach Warenhaus-Chef Oscar Tietz (1858-1923).

Auch KaDeWe und Wertheim hatten bis zur Machtübernahme der Nazis jüdische Eigentümer. „Die DNA des deutschen Einzelhandels ist jüdisch“, sagt Busch-Petersen. „Ein Viertel aller Einzelhändler waren Juden. Darum erinnert unser Verband immer an die Kaufleute und ihre Schicksale.“

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